Wenn die ARD 8,52€/h für Sklaverei hält

Die gestrige Reportage bei der ARD über die Arbeitsbedingungen bei Amazon wird heute natürlich wie eine Sau durchs Dorf getrieben. Die Fakten:

Man bekommt einen fast menschenunwürdigen Lohn. Man wird nicht fest angestellt. Man wohnt in einem Sklavendorf. Das sind die Kernvorwürfe der ARD an Amazon. Wollen wir sie doch etwas auseinander nehmen:

Lohn
Laut einem dokumentierten Fall, bleibt den Mitarbeitern, welche bei einer Zeitarbeitsfirma angestellt sind, nach Abzug für Kost & Logis “nur noch ein Stundenlohn von brutto 8,52 Euro”. Macht bei einer 40h-Woche exakt 1.363,20 € im Monat. Bei diesem Betrag sind die Kosten für Unterbringung und zwei warmen Mahlzeiten bereits abgezogen!

Doch schauen wir mal, wie es in deren Regionen und Branchen aussieht:

Eine gelernte (!) Hotelfachfrau verdient in Mecklenburg-Vorpommern im Schnitt 1.261 € brutto.

Die nette Dame, die uns monatlich die Haare schneidet, findet am 15. des Monats im Schnitt 1.135 € auf Ihrem Lohnzettel. Brutto, versteht sich. Und das nach einer Berufsausbildung.

Doch auch unsere freundliche Backwarenverkäuferin von Nebenan hat in Ihrem Arbeitsvertrag im Schnitt nur 1.248 € brutto in der Spalte “Lohn” stehen.

Zu beachten ist, dass diese Damen davon Miete und Nahrungsmittel selber zahlen müssen, was bei den Leiharbeitern von Amazon da bereits inbegriffen ist!

Unterkunft
Die in dem Bericht zu sehenden Unterkünfte fungieren in der Sommersaison als gewöhnliche Ferienanlagen. Zustimmen muss man bei der Tatsache, dass die Ferienwohnungen tatsächlich überbelegt werden und sich 2-3 Mitarbeiter ein Zimmer teilen müssen. Das sind Verhältnisse, die man nicht unbedingt als komfortabel bezeichnen kann. An dieser Stelle sollte Amazon die beauftragten Zeitarbeitsfirmen drängen, daran etwas zu ändern.

Keine Übernahme
Bemängelt wurde, dass in der Weihnachtszeit bei Amazon nur rund 1.000 der rund 5.000 Beschäftigten ein festes Arbeitsverhältnis haben.  Doch was erwartet man? Dass Amazon über das gesamte Jahr 5.000 Personen fest anstellt, die nicht benötigt werden? Die Zeitarbeiter werden ja gerade aus dem Grund angefordert, weil die Weihnachtszeit bei Amazon einen Sonderfall darstellt! Der Bedarf an solch einer Menge an Mitarbeitern ist nur in diesem begrenzten Zeitraum notwendig. Nicht im Mai und nicht Januar.

Insgesamt sollte man festhalten, dass Menschen denen wir tagtäglich begegnen, beutend weniger verdienen als die Hilfsarbeiter bei Amazon. Menschen, die eine mehrjährige Berufsausbildung hinter sich haben. Wenn die ARD 8,52 € als modernes Sklaventum bezeichnet, dann sollte man sich umschauen und feststellen, dass das “Sklaventum” keines ist.

Update:
Amazon hat sich nun gegenüber t3n.de zu den Vorwürfen geäußert und nennt Zahlen zu den Löhnen der Hilfsarbeiter:

Alle Mitarbeiter, die länger als ein Jahr in den Amazon-Logistikzentren in Deutschland arbeiten, verdienen über 10 € brutto pro Stunde; im ersten Jahr über 9,30 € brutto. Die in dem Beitrag erwähnten Mitarbeiter aus Spanien (…) verdienten bei einer 37,5 Stunden-Woche 1.400 € brutto im Monat, in der Nachtschicht bei 32,5 Wochenstunden 1.500 Euro im Monat.

Amazon versprach weiter, dass man die von der Zeitarbeitsfirma beauftragte Sicherheitsfirma genauer unter die Lupe nehmen möchte:

Amazon duldet keinerlei Diskriminierung oder Einschüchterung. Auch wenn das Sicherheitsunternehmen nicht von Amazon beauftragt wurde, prüfen wir derzeit selbstverständlich den von den Redakteuren gemachten Vorwurf bezüglich des Verhaltens des Sicherheitspersonals und werden umgehend geeignete Maßnahmen einleiten.

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